Geldwertänderung

Aus Bewertungshilfe
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Eine Geldwertänderung kann als Inflation oder (kurzfristig) als Deflation auftreten. Sie wird durch Preisindizes gemessen.

siehe auch-> Kapitalerhaltung, Persistenz

Bedeutung

In der Volkswirtschaftslehre wird zwischen erwarteter und unerwarteter Inflation unterschieden. Die erwartete wird von den Wirtschaftssubjekt erwartet und eingepreist (Gehaltsforderungen der Haushalte, Preisgestaltung bei Unternehmen). Hohe oder unerwartete Inflation gilt als schädlich für die Ökonomie.[1]

Auswirkungen: [2]

  • Leichte Inflation (bis etwa 5 % Wertverlust im Jahr) hat nachfragefördernde Wirkung, da Leute ihr Geld ausgeben oder investieren wollen. Freilich verlangen sie für Investitionen immer noch eine Liquiditätsprämie, das heißt die Renditen müssen deutlich über der Inflationsrate liegen.
  • Bei schwerer Inflation (ab rund 5 % Wertverlust im Jahr) verliert das Tauschmittel Geld seinen Wert schneller als andere Güter (zum Beispiel Immobilien, Aktien, Sachkapital allgemein) und büßt daher die Wertmaßstabsfunktion und Wertaufbewahrungsfunktion ein, stattdessen wird eine Ersatzwährung verwendet (zB Zigaretten, andere Währungen). Es kommt zur Flucht in wertstabile Sachwerte und zu Kapitalflucht. Die Kreditzinsen steigen, somit werden Investitionen weniger rentabel.
  • Hyperinflation (monatliche Wertverluste von über 50 %) kamen in der Geschichte vor.Häufig gibt es nach einer Hyperinflation eine Währungsreform.

Eine Liste von historischen Inflationsereignissen findet sich bei Wikipedia, Stichwort: Inflation].

Unternehmensbewertung

Die Berücksichtigung der Geldwertänderung ist Gegenstand der Geldwertäquivalenz (Kaufkraftäquivalenz) und somit eine Voraussetzung zur Unternehmensbewertung nach einem Diskontierungsverfahren. Zur Berücksichtigung der Geldwertänderung wird eine Nominal- oder eine Realrechnung vorgenommen. Beide führen richtig angewandt zu identen Ergebnissen.

Berechnung

Die Geldwertänderung der Periode t ergibt sich aus den Preisindizes der Periode und der Vorperiode *)

[math]g = \frac{p_t}{p_{t-1}} - 1 [/math]

[math]g[/math] Inflation
[math] {p} [/math] Preisindex
[math] {t} [/math] Jahresindex

Arten

Geldwertänderung kann auftreten als

Inflation

Inflation ist die Zunahme des Preisniveaus von Waren und Dienstleistungen.[3] Sie ist ein häufig anzutreffendes Phänomen der Volkswirtschaftslehre.

Deflation

Deflation ist ein allgemeiner, signifikanter und anhaltender Rückgang des Preisniveaus für Waren und Dienstleistungen.[4] Auch wenn in Krisenzeiten die Deflation lange dauern kann[5] [6], wird ihr in der Literatur zur Unternehmensbewertung keine dauerhafte Wirkung zugerechnet. Sie wird eher stiefmütterlich behandelt. In weiterer Folge wird auf sie nicht mehr eingegangen.

Preisindex

Ein Preisindex ist eine Kennzahl für die Entwicklung von ausgewählten Preisen. Er gibt an, wie sich die Preise der Güter oder Dienstleistungen eines Warenkorbs verändert haben, beispielsweise der Verbraucherpreisindex oder der Importpreisindex. Er ist ein Maß für die Teuerung, mit seiner Hilfe soll eine Aussage über die Höhe der Inflation bzw. Deflation in einem volkswirtschaftlichen Bereich getroffen werden.[7]

Zur Messung der Geldwertänderungen werden verschiedene Indizes berechnet, die auf unterschiedlichen Warenkörben beruhen. Diese sind z.B. auf der Homepage der ÖNB zu finden. Dabei ist zu beachten, dass die einzelnen Indizes nicht deckungsgleich sind. Es muss daher der für das zu bewertende Unternehmen passende Index gefunden werden.

Weiters ist zu beachten, dass die Preisindizes Durchschnittsverhältnisse darstellen. Ob der Unternehmer die Preiserhöhungen auf seinen Kunden überwälzen kann ist im Einzelfall zu prüfen.

Mögliche Indices (Quellen ÖNB, Statistik Austria - StAu):

  • Erzeugerpreise
    • Erzeugerpreisindex (ÖNB)
    • Baupreisindex (StAu)
  • Großhandelspreisindex (ÖNB, StAu)
  • Importpreiseindex (StAu)
  • Verpraucherpreisindices
    • Verpraucherpreisindex - VPI (ÖNB, StAu)
    • Harmonisierter Verbraucherpreisindex - HVPI (ÖNB, StAu)
  • Häuserpreisindex (StAu)
  • Tariflohnindex (ÖNB)

Der Preisindex ergibt sich aus dem Nominal- und Realwert: [8]

[math]p = \frac{\text{NW}}{\text{RW}}[/math]

[math] {p} [/math] Preisindex
[math] {NW} [/math] Nominalwert
[math] {RW} [/math] Realer Wert

Weblinks

Warenkorb

Der Warenkorb ist die Gesamtheit der in die Berechnung des Verbraucherpreisindex eingehenden Güter. Sie entsprechen dem Verbrauch eines Durchschnittshaushaltes.[9]

Weblinks

Geld- und Zinsillusion

siehe auch-> Nominalwert, Realwert

Die Geldillusion entsteht, wenn sich Person oder Institutionen sich am Nominalwert und nicht am Realwert orientieren.[10] Eine besondere Form der Geldillusion ist die Zinsillusion, bei der die Orientierung am Nominal- anstelle des Realzinssatzes erfolgt. *)

Weblinks

Literatur

Fachgutachten

  • Rz. 57 KFS/BW 1 (2014)

Unterlage(n)

Weblinks

3.5.2025;

Einzelnachweise