APV-Verfahren: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Bewertungshilfe
Wechseln zu: Navigation, Suche
(Unterlage(n): aktualisiert)
(Unterlage DCF-Verfahren eingearbeitet)
Zeile 1: Zeile 1:
'''Kurzinfo!'''
+
<small> </small> <u></u> <!--  -->
 +
Beim '''APV-Verfahren (Adjusted Present Value-Verfahren)''' wird zunächst der [[Marktwert des Gesamtkapitals]] unter der Prämisse der vollständigen Eigenfinanzierung aus dem [[Free-Cash-Flow]] ermittelt. Dabei kommt der Zinssatz des unverschuldeten Betriebes zur Anwendung. Aus diesem [[Barwert]] und dem Marktwert des [[nicht betriebsnotwendiges Vermögen|nicht betriebsnotwendigen Vermögens]] wird der Marktwert des unverschuldeten Unternehmens ermittelt. Dazu kommt der [[Barwert der Steuervorteile]], dh die Erhöhung des Marktwertes durch die steuerliche Absetzbarkeit der Fremdkapitalzinsen („[[Tax Shield]]“). Nach Abzug des [[Marktwert des Fremdkapitals]] erhält man den [[Marktwert des Eigenkapitals]].
  
Beim '''Adjusted Present Value-Verfahren (APV-Verfahren)''' wird zunächst der [[Marktwert des Gesamtkapitals]] unter der Prämisse der vollständigen Eigenfinanzierung aus dem [[Free-Cash-Flow]] ermittelt. Dabei kommt der Zinssatz des unverschuldeten Betriebes zur Anwendung. Aus diesem [[Barwert]] und dem Marktwert des [[nicht betriebsnotwendiges Vermögen|nicht betriebsnotwendigen Vermögens]] wird der Marktwert des unverschuldeten Unternehmens ermittelt. Dazu kommt der [[Barwert der Steuervorteile]], dh die Erhöhung des Marktwertes durch die steuerliche Absetzbarkeit der Fremdkapitalzinsen („[[Tax Shield]]“). Nach Abzug des [[Marktwert des Fremdkapitals]] erhält man den [[Marktwert des Eigenkapitals]].
+
Das APV-Verfahren ist ein [[DCF-Verfahren]]. Es stellt ein [[Bruttoverfahren]] dar. Es handelt sich um eine [[betriebswirtschaftlich anerkannte Bewertungsmethode]]. Es hat keine große praktische Bedeutung.
  
Das APV-Verfahren ist ein [[DCF-Verfahren]]. Es stellt ein [[Bruttoverfahren]] dar. Es handelt sich um eine [[betriebswirtschaftlich anerkannte Bewertungsmethode]].
+
''siehe auch-> [[Bewertungsverfahren]]''
  
''siehe auch-> [[Bewertungsverfahren]]''
+
== Formel ==
 +
<!--  ''Hauptartikel-> [[]]''
 +
* Synonyme: ''[[]]''
 +
''siehe auch-> [[]]'' -->
 +
<small> </small> <u></u>  <!--  -->
 +
 
 +
<u>Formel: </u><ref>Aus Mandl / Rabel in Peemöller (2019), S. 77.</ref>
 +
 
 +
<math> EK^* = GK^* - FK^*</math>
 +
 
 +
<math> GK^* = GK_u + W_{TS}</math>
 +
 
 +
<math> GK_u = \sum_{t=1}^\infty \frac{FCF_t}{(1+r(EK)_u^t}</math>
  
 +
<math> W_{TS} = \sum_{t=1}^\infty \frac{s_u*i_r*FK^*_{t-1}}{(1+i_r^t}</math><ref>Der sichere Zinssatz <math>i_r</math> ist nur unter bestimmten Umständen anwendbar. </ref>
  
== Formel ==
+
<u>Unternehmenswert beim APV-Verfahren:</u>
  
 
{| class="wikitable"
 
{| class="wikitable"
 
|-
 
|-
 
|  
 
|  
| Barwert der Free Cash-Flows bei Kapitalsierung mit r(EK)u
+
| Barwert der [[Free-Cash-Flow]]s bei Kapitalisierung mit <math>r(EK)_u</math>
 +
|-
 +
| =
 +
| ''Wert des unverschuldeten Unternehmens''
 
|-
 
|-
 
| +  
 
| +  
| Marktwert des nicht betriebsnotwendigen Vermögens
+
| Werterhöhung durch [[Fremdfinanzierung]]
 +
|-
 +
| =
 +
| ''Wert des Gesamtkapitals des verschuldeten Unternehmens''
 
|-
 
|-
| =
+
| mind
| ''Marktwert des unverschuldeten Unternehmens''
+
| [[Liquidationswert]]
 
|-
 
|-
 
| +  
 
| +  
| Marktwerterhöhung durch Fremdfinanzierung
+
| Wert des [[Nicht betriebsnotwendiges Vermögen|nicht betriebsnotwendigen Vermögens]]
 
|-
 
|-
| =
+
| =  
| ''Marktwert des Gesamtkapitals des verschuldeten Unternehmens''
+
| ''Wert des Gesamtkapitals''
 
|-
 
|-
 
| -
 
| -
| Marktwert des verzinslichen Fremdkapitals
+
| [[Wert des verzinslichen Fremdkapitals]]
 
|-
 
|-
 
| =
 
| =
| '''Marktwert des Eigenkapitals'''
+
| '''Wert des Eigenkapitals'''
 
|-
 
|-
 
|}
 
|}
  
Abkürzungen:
+
<small>
r(EK)u = Eigenkapitalkosten für das unverschuldete Unternehmen
+
{| class="wikitable"
 +
|-
 +
| <math> EK^* </math>
 +
| [[Wert des Eigenkapitals]]
 +
|-
 +
| <math> {NN} </math>
 +
| [[Wert des Fremdkapitals]]
 +
|-
 +
| <math> FCF </math>
 +
| [[Free-Cash-Flow]]
 +
|-
 +
| <math> FK^* </math>
 +
| [[Wert des Gesamtkapitals]]
 +
|-
 +
| <math> GK_u </math>
 +
| Wert des unverschuldeten Unternehmens '''zu Formel'''
 +
|-
 +
| <math> i_r </math>
 +
| [[Basiszinssatz]]
 +
|-
 +
| <math> r(EK)_u </math>
 +
| [[Unverschuldete Eigenkapitalkosten]]
 +
|-
 +
| <math> s_u </math>
 +
| [[Unternehmenssteuer]] '''zu Symb'''
 +
|-
 +
| <math> t </math>
 +
| Jahresindex
 +
|-
 +
| <math> W_{TS} </math>
 +
| [[Barwert der Steuervorteile]]
 +
|-
 +
|}
 +
</small>
 +
 
 +
== Vor- / Nachteile ==
 +
<!--  ''Hauptartikel-> [[]]''
 +
* Synonyme: ''[[]]''
 +
''siehe auch-> [[]]'' -->
 +
<small> </small> <u></u> <!--  -->
 +
 
 +
<u>Vorteile WACC-Verfahren</u> <ref>Vgl. Ernst u.a. (2018), S. 303.</ref>
 +
* International die etablierteste Unternehmensbewertungsmethode.
 +
 
 +
<u>Nachteile</u>
 +
* Annahme einer in Zukunft konstanten Kapitalstruktur kann zu Bewertungsfehlern führen.
 +
* Vereinfachende Annahme von konstanten, vom Verschuldungsgrad unabhängigen Renditeforderungen der EK- und FK-Geber kann zu Verzerrungen führen.
 +
* Mögliche Verzerrungen aufgrund der Verwendung von durchschnittlich zu zahlenden FK-Zinssätzen (die verwendeten Kapitalkosten sind häufig Durchschnittswerte und spiegeln nicht exakt die einzelnen Finanzierungskosten wider).
 +
* Bei der Berechnung des WACC kann sich ein Zirkularitätsproblem ergeben (Iteration notwendig).
 +
 
 +
<u>Vorteile bei Verwendung periodenspezifischen WACC</u> <ref>Vgl. Ernst u.a. (2018), S. 303.</ref>
 +
* Periodenspezifischer WACC-Ansatz liefert exaktere Ergebnisse, da einige der Nachteile des Entity-Ansatzes durch Berücksichtigung künftiger Veränderungen der Kapitalstruktur vermieden werden.
 +
 
 +
<u>Nachteile</u>
 +
* Herleitung des periodenspezifischen WACC ist methodisch anspruchsvoller/komplexer als die des WACC.
 +
* Die retrograde Berechnung des Unternehmenswerts ist weniger übersichtlich als beim Entity-Ansatz.
  
 
== Literatur ==
 
== Literatur ==
 +
<small> </small> <u></u>  <!--  -->
 +
 +
=== Fachgutachten ===
 +
* KFS/BW 1 (2014) Rz. 43 ff;
 +
* IDW S 1 (2008) Rz. 136 f;
 +
 +
=== Fachliteratur ===
 +
* Aschauer / Purtscher (2023), S. 115 ff;
 +
* Bachl (2018), S. 67 f;
 +
* Drukarczyk / Schüler (2016), S. 161 ff;
 +
* Ernst u.a. (2018), S. 29 f;
 +
* Hager (2014), S. 1122 f; 
 +
* Ihlau / Duscha (2019), S. 46 f, 57;
 +
* Kranebitter / Maier (2017), S. 44 f;
 +
* Mandl / Rabel (1997), S. 41 und S. 372;
 +
* Peemöller (2019), S. 76 ff, 421 f;
 +
* WPH-Edition (2018), Tz. A 148 ff;
 +
 +
=== Unterlage(n) ===
 +
 +
* Hager: ''"Bewertungsmethoden – Eine Übersicht"'', [[Datei:Methoden-übersicht.pdf]], Stand Okt. 2024;
 +
* Hager: ''Discounted-Cash-Flow-Verfahren'', UBW-Fortgeschrittene FAÖ, [[Datei:DCF-Verfahren.pdf]], Stand Okt. 2025;
 +
 +
<!-- === Folien ===
 +
-->
 +
<!-- ''siehe auch -> [[Liste der verwendeten Literatur]], [[Liste der verwendeten Symbole]], [[Liste der verwendeten Formeln]]''
 +
[[Liste der verwendeten Gesetze und Erlässe]], [[Liste englische Fachausdrücke]], [[Liste der verwendeten Abkürzungen]], -->
 +
 +
  
 
=== Fachgutachten ===
 
=== Fachgutachten ===
Zeile 65: Zeile 169:
  
 
== Weblinks ==
 
== Weblinks ==
* [https://de.wikipedia.org/wiki/APV-Ansatz APV-Verfahren bei Wikipedia], abgefragt 13.1.2017
+
* [https://de.wikipedia.org/wiki/APV-Ansatz APV-Verfahren bei Wikipedia], abgefragt 4.10.2025;
  
 
<!--== Einzelnachweise==
 
<!--== Einzelnachweise==

Version vom 4. Oktober 2025, 13:23 Uhr

Beim APV-Verfahren (Adjusted Present Value-Verfahren) wird zunächst der Marktwert des Gesamtkapitals unter der Prämisse der vollständigen Eigenfinanzierung aus dem Free-Cash-Flow ermittelt. Dabei kommt der Zinssatz des unverschuldeten Betriebes zur Anwendung. Aus diesem Barwert und dem Marktwert des nicht betriebsnotwendigen Vermögens wird der Marktwert des unverschuldeten Unternehmens ermittelt. Dazu kommt der Barwert der Steuervorteile, dh die Erhöhung des Marktwertes durch die steuerliche Absetzbarkeit der Fremdkapitalzinsen („Tax Shield“). Nach Abzug des Marktwert des Fremdkapitals erhält man den Marktwert des Eigenkapitals.

Das APV-Verfahren ist ein DCF-Verfahren. Es stellt ein Bruttoverfahren dar. Es handelt sich um eine betriebswirtschaftlich anerkannte Bewertungsmethode. Es hat keine große praktische Bedeutung.

siehe auch-> Bewertungsverfahren

Formel

Formel: [1]

[math] EK^* = GK^* - FK^*[/math]

[math] GK^* = GK_u + W_{TS}[/math]

[math] GK_u = \sum_{t=1}^\infty \frac{FCF_t}{(1+r(EK)_u^t}[/math]

[math] W_{TS} = \sum_{t=1}^\infty \frac{s_u*i_r*FK^*_{t-1}}{(1+i_r^t}[/math][2]

Unternehmenswert beim APV-Verfahren:

Barwert der Free-Cash-Flows bei Kapitalisierung mit [math]r(EK)_u[/math]
= Wert des unverschuldeten Unternehmens
+ Werterhöhung durch Fremdfinanzierung
= Wert des Gesamtkapitals des verschuldeten Unternehmens
mind Liquidationswert
+ Wert des nicht betriebsnotwendigen Vermögens
= Wert des Gesamtkapitals
- Wert des verzinslichen Fremdkapitals
= Wert des Eigenkapitals

[math] EK^* [/math] Wert des Eigenkapitals
[math] {NN} [/math] Wert des Fremdkapitals
[math] FCF [/math] Free-Cash-Flow
[math] FK^* [/math] Wert des Gesamtkapitals
[math] GK_u [/math] Wert des unverschuldeten Unternehmens zu Formel
[math] i_r [/math] Basiszinssatz
[math] r(EK)_u [/math] Unverschuldete Eigenkapitalkosten
[math] s_u [/math] Unternehmenssteuer zu Symb
[math] t [/math] Jahresindex
[math] W_{TS} [/math] Barwert der Steuervorteile

Vor- / Nachteile

Vorteile WACC-Verfahren [3]

  • International die etablierteste Unternehmensbewertungsmethode.

Nachteile

  • Annahme einer in Zukunft konstanten Kapitalstruktur kann zu Bewertungsfehlern führen.
  • Vereinfachende Annahme von konstanten, vom Verschuldungsgrad unabhängigen Renditeforderungen der EK- und FK-Geber kann zu Verzerrungen führen.
  • Mögliche Verzerrungen aufgrund der Verwendung von durchschnittlich zu zahlenden FK-Zinssätzen (die verwendeten Kapitalkosten sind häufig Durchschnittswerte und spiegeln nicht exakt die einzelnen Finanzierungskosten wider).
  • Bei der Berechnung des WACC kann sich ein Zirkularitätsproblem ergeben (Iteration notwendig).

Vorteile bei Verwendung periodenspezifischen WACC [4]

  • Periodenspezifischer WACC-Ansatz liefert exaktere Ergebnisse, da einige der Nachteile des Entity-Ansatzes durch Berücksichtigung künftiger Veränderungen der Kapitalstruktur vermieden werden.

Nachteile

  • Herleitung des periodenspezifischen WACC ist methodisch anspruchsvoller/komplexer als die des WACC.
  • Die retrograde Berechnung des Unternehmenswerts ist weniger übersichtlich als beim Entity-Ansatz.

Literatur

Fachgutachten

  • KFS/BW 1 (2014) Rz. 43 ff;
  • IDW S 1 (2008) Rz. 136 f;

Fachliteratur

  • Aschauer / Purtscher (2023), S. 115 ff;
  • Bachl (2018), S. 67 f;
  • Drukarczyk / Schüler (2016), S. 161 ff;
  • Ernst u.a. (2018), S. 29 f;
  • Hager (2014), S. 1122 f;
  • Ihlau / Duscha (2019), S. 46 f, 57;
  • Kranebitter / Maier (2017), S. 44 f;
  • Mandl / Rabel (1997), S. 41 und S. 372;
  • Peemöller (2019), S. 76 ff, 421 f;
  • WPH-Edition (2018), Tz. A 148 ff;

Unterlage(n)



Fachgutachten

  • KFS/BW 1 Rz. 43 ff
  • IDW S1 Rz. 136f

Fachliteratur

  • Aschauer / Purtscher (2011), 121 ff
  • Bachl (2018), 67 f
  • Ihlau ua (2013), 54
  • Mandl / Rabel (1997), 41f, 372ff
  • Drukarczyk / Schüler (2016), 100, 161ff
  • WP-Handbuch II (2014), Rz. A 164 f., 187 ff., 303


Unterlage(n)

siehe auch -> Liste der verwendeten Literatur, Liste der verwendeten Abkürzungen und Symbole, Liste der verwendeten Formeln

Weblinks

  • Aus Mandl / Rabel in Peemöller (2019), S. 77.
  • Der sichere Zinssatz [math]i_r[/math] ist nur unter bestimmten Umständen anwendbar.
  • Vgl. Ernst u.a. (2018), S. 303.
  • Vgl. Ernst u.a. (2018), S. 303.
  • Abgerufen von „https://www.bewertungshilfe.at/index.php?title=APV-Verfahren&oldid=39241