WACC-Verfahren

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Beim WACC-Verfahren wird der jährliche Free-Cash-Flow mit den WACC diskontiert. Die Summe der Barwerte ergibt den Marktwert des Gesamtkapitals, von dem der Marktwert des verzinslichen Fremdkapitals abgezogen wird, daraus ergibt sich der Marktwert des Eigenkapitals.

Das WACC-Verfahren basiert auf den Arbeiten Modigliani / Millers und zeichnet sich durch seine einfache Anwendbarkeit aus.[1]

Es ist das in der Praxis am häufigsten angewandte Discounted Cash-Flow-Verfahren.[2] Es stellt ein Bruttoverfahren dar und ist betriebswirtschaftlich anerkannt.

Das WACC-Verfahren geht von einer starren Eigen-Fremdkapital-Relation (Verschuldungsgrad) aus. Wenn diese (z.B. bei Überschuldung) stark verändert werden soll, ist die Anwendung nur durch Zusatzrechnungen möglich. [3]

Synonyme: Free-Cash-Flow-Verfahren, Bruttoverfahren, Entity-Approach, DCF-Methode mittels Entity-Ansatzes

siehe auch-> Bewertungsverfahren

Formel

Formel:

[math] EK^* = GK^* - FK^*[/math]

[math] GK^* = \sum_{t=1}^\infty \frac{FCF_t}{(1+r_{(WACC)})^t}[/math]

Unternehmenswert beim WACC-Verfahren: [4]

Barwert der Free-Cash-Flows bei Kapitalisierung mit [math]r_WACC[/math]
mind Liquidationswert
+ Wert des nicht betriebsnotwendigen Vermögens
= Wert des Gesamtkapitals
- Wert des verzinslichen Fremdkapitals
= Wert des Eigenkapitals

Abkürzungen: WACC Weighted Average Cost of Capital

Vor- / Nachteile

Vorteile WACC-Verfahren [5]

  • International die etablierteste Unternehmensbewertungsmethode.

Nachteile

  • Annahme einer in Zukunft konstanten Kapitalstruktur kann zu Bewertungsfehlern führen.
  • Vereinfachende Annahme von konstanten, vom Verschuldungsgrad unabhängigen Renditeforderungen der EK- und FK-Geber kann zu Verzerrungen führen.
  • Mögliche Verzerrungen aufgrund der Verwendung von durchschnittlich zu zahlenden FK-Zinssätzen (die verwendeten Kapitalkosten sind häufig Durchschnittswerte und spiegeln nicht exakt die einzelnen Finanzierungskosten wider).
  • Bei der Berechnung des WACC kann sich ein Zirkularitätsproblem ergeben (Iteration notwendig).

Vorteile bei Verwendung periodenspezifischen WACC [6]

  • Periodenspezifischer WACC-Ansatz liefert exaktere Ergebnisse, da einige der Nachteile des Entity-Ansatzes durch Berücksichtigung künftiger Veränderungen der Kapitalstruktur vermieden werden.

Nachteile

  • Herleitung des periodenspezifischen WACC ist methodisch anspruchsvoller/komplexer als die des WACC.
  • Die retrograde Berechnung des Unternehmenswerts ist weniger übersichtlich als beim Entity-Ansatz.

Literatur

Fachgutachten

  • KFS/BW 1 (2014) Rz. 38 ff;
  • IDW S 1 (2008) Rz. 125 f, 133 ff;

Fachliteratur

  • Aschauer / Purtscher (2023), S. 119 ff;
  • Bachl (2018), S. 63;
  • Drukarczyk / Schüler (2016), S. 197 ff;
  • Ernst u.a. (2018), S. 27 ff;
  • Hager (2014), S. 1122 f;
  • Ihlau / Duscha (2019), S. 46 f, 55 f;
  • Kranebitter / Maier (2017), S. 40 ff;
  • Mandl / Rabel (1997), S. 38ff und 311ff;
  • Peemöller (2019), S. 68 ff, 418 ff;
  • WPH-Edition (2018), Tz. A 139 ff;

Unterlage(n)

siehe auch -> Liste der verwendeten Literatur, Liste der verwendeten Symbole, Liste der verwendeten Formeln

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Aschauer / Purtscher (2011), S. 129
  2. Vgl. Nadvornik ua (2012) u Spahlinger / Knoll (2023).
  3. Vgl. Maier in Krannebitter / Maier (2017), S. 47.
  4. Aus Mandl / Rabel in Peemöller (2019), S. 70.
  5. Vgl. Ernst u.a. (2018), S. 303.
  6. Vgl. Ernst u.a. (2018), S. 303.