Mehrphasenmodell

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Kurzinfo!

Beim Mehrphasenmodell wird die Unternehmensplanung in Phasen unterschiedlicher Genauigkeit gegliedert.

Unternehmen erstellen Planungen für einen Zeitraum von ca 3-5 Jahren. Da die Unternehmensbewertung von einer unbegrenzten Unternehmensdauer ausgeht, müssen die darüber ausgehenden Jahre aus der Planung abgeleitet werden.

Planungsphasen:

Nach Berücksichtigung der Grobplanungsphase wird Zweiphasen- und Dreiphasenmodell unterschieden.

Detailplanungsphase

  • Synonyme: Detailplanungszeitraum, Phase I

Die zukünftige Entwicklung kann nur für einen begrenzten Zeitraum einigermaßen zuverlässig abgeschätzt werden. Üblicherweise geht man hierbei von einem Zeitraum der nächsten 3-5 Jahre aus. Dieser Zeitraum wird als Detailplanungszeitraum bezeichnet.[1] Basis der Planung ist grundsätzlich eine von der Unternehmensleitung erstellte integrierten Planungsrechnung, die ihre Zusammenfassung in Plan-Bilanzen, Plan-Gewinn- und Verlustrechnungen und Finanzplänen findet.[2]

Wenn am Ende des Detailplanungszeitraumes das Unternehmen annahmegemäß einen Gleichgewichts- und Beharrungszustand erreicht hat, kann direkt vom Detailplanungszeitraum in die sogenannte Fortführungsphase übergeleitet werden.[3]

Zur Berücksichtigung der Inflation siehe-> Nominalrechnung und Realrechnung

Grobplanungsphase

  • Synonyme: Konvergenzphase, Phase II

Hat das Unternehmen am Ende des Detailplanungszeitraumes nicht einen Gleichgewichts- und Beharrungszustand erreicht, so wird eine sogenannte Grobplanungsphase eingefügt.[4]

Die Grobplanungsphase basiert nicht mehr auf einer integrierten Planung. Es werden vielmehr die Werttreiber so geplant, dass eine stimmige Überleitung von der Detailplanung zur Rentenphase erfolgt.

Rentenphase

  • Synonyme: Fortführungsphase, Phase III

Grundsätzlich geht man in der Unternehmensbewertung von einer unbegrenzten Unternehmensdauer aus. Da eine integrierte Unternehmensplanung nur für einen begrenzten Zeitraum vorliegen, müssen für die restlichen Jahre vereinfachte Annahmen getroffen werden. Der Periodenerfolg der Fortführungsphase repräsentiert den bis in die „Unendlichkeit" gleich bleibenden oder konstant wachsenden (bei KMU auch schrumpfenden) Durchschnittsertrag.[5] Infolge seines großen Anteiles am Unternehmenswert wird die Rentenphase oft kritisiert.

Für die Rentenphase sieht die Neufassung des Fachgutachtens KFS BW1 die Abschätzung des langfristigen Rentabilitätsniveaus des zu bewertenden Unternehmens sowie die Konsistenz der Annahmen zu Renditeerwartungen, Wachstumsrate und Thesaurierung vor. [6]

Zur Berücksichtigung der Inflation siehe-> Nominalrechnung und Realrechnung

Extrapolationsphase

Die Extrapolationsphase[7] umfasst die Grobplanungsphase und die Rentenphase. Im Gegensatz zur Detailplanungsphase, die auf detaillierten, eindeutigen und verlässlichen Prognosen (auf Grundlage von Finanzplänen des Managements) beruht, stellt die Extrapolationsphase eine Trendfortschreibung dar.

Es sind Annahmen über Wachstumsraten (steigend / gleichbleibend / sinkend) zu treffen.

Literatur

Fachgutachten

  • Rz. 59 ff KFS/BW 1 (2014)
  • Rz. 77 ff IDW S1 (2008)

Empfehlungen

  • Arbeitsgruppe Unternehmensbewertung (2015)

Fachliteratur

  • Drukarczyk / Schüler (2016), 126, 138
  • Fleischer / Hüttemann (2015), 119 ff
  • Ihlau ua (2013), Phasenmethode, 101, 102
  • Mandl / Rabel (1997), 153f
  • Rabel (2014)
  • WP-Handbuch II (2014), Rz. A 232 ff

Folien

-->siehe auch Liste der verwendeten Literatur

Einzelnachweise

  1. Bachl (2015), 16
  2. Rz. 58 KFS/BW 1
  3. Bachl (2015), 16
  4. Bachl (2015), 16
  5. Bachl (2015), 16
  6. Rabel (2014)
  7. Zum Begriff vgl. Hirschböck, IAS 36 - Ausgewählte Themen, Vortrag JKU 13.5.2019